Umbau von Clariant kostet weitere Jobs

Sulzbach ‐ Den Mitarbeitern von Clariant stehen schwere Zeiten bevor. Bei dem aus Sandoz hervorgegangenen Unternehmen, in dem Höchst seine Spezialchemiesparte unterbrachte, werden weitere Stellen abgebaut. Von Marc Kuhn

Weltweit standen bei dem Konzern 2008 etwa 20.300 Menschen auf den Gehaltslisten, Ende 2009 werden es weniger als 18.000 sein, wie Ulrich Ott, seit Juli Geschäftsführer von Clariant Deutschland, unserer Zeitung in Sulzbach sagte. Für die Jahre 2009 und 2010 hatte die Firma bereits eine Reduzierung von rund 2700 Stellen weltweit, davon etwa 400 in Deutschland, angekündigt. Der Abbau gehe weiter. „Ich gehe davon aus, dass sich der Mitarbeiterstamm in Deutschland im Laufe des kommenden Jahres weiter reduzieren wird.“ Im Rhein-Main-Gebiet beschäftigte das Chemieunternehmen Ende 2008 etwa 2300 Menschen.

Ulrich Ott

In Griesheim sei die Infrastruktur veräußert worden, so dass die Arbeitsplätze jetzt bei einem Tochterunternehmen von Infraserv, dem Betreiber des Industrieparks Höchst, angesiedelt seien. In Höchst würden in 2009 und 2010 etwa 200 Stellen überwiegend in den Bereichen Verwaltung und Forschung gestrichen. „Nur wenn wir eine überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit erreichen, können wir attraktiv für Kunden und Aktionäre sein und unseren Mitarbeitern sichere und interessante Arbeitsplätze anbieten“, erläuterte Ott. „Wir müssen eine entsprechende Kostenposition erreichen, um wettbewerbsfähig zu sein, weshalb wir auch in nicht unerheblichem Masse Personal abbauen.“ Die Kostenreduzierungen würden besonders jene Konzernbereiche treffen, die im Industriegüterbereich tätig seien.

14 Stellen in Höchst abgebaut

Die internationale Wirtschaftskrise habe zu erheblichen Einbußen geführt. Die Umsätze seien in diesem Jahr um 20 bis 25 Prozent gegenüber 2008 gesunken. Signifikant steigende Erlöse erwarte das Unternehmen in den Jahren 2010 und 2011 nicht, sagte der Geschäftsführer. „Die Krise ist sicherlich nicht beendet.“ Die wirtschaftliche Situation von Clariant werde im nächsten Jahr aber besser, „weil wir 2009 bereits sehr viele Korrekturmaßnahmen ergriffen haben“.

Ott erläuterte weiter, dass die globale Produktionslandschaft des Konzerns aufgrund struktureller Probleme reorganisiert werde. „Wir haben außerdem enorme Überkapazitäten, die wir reduzieren werden.“ Davon sei Deutschland aber nur in geringerem Maße betroffen. „Vorgesehen sind eine Teilbetriebsstilllegung in Höchst und eine in Gendorf.“ In diesem Zusammenhang würden insgesamt 43 Stellen abgebaut, davon 14 in Höchst. Darüber hinaus habe Clariant angekündigt, in Frankreich, England und Mexiko Standorte schließen zu wollen. Die Schließung weiterer Produktionsstätten befindet sich laut Ott gegenwärtig in der Prüfung. „Entscheidungen sind hierzu noch nicht getroffen. Aber die deutschen Standorte haben durchaus eine strategische Bedeutung für den Clariant-Konzern“, so Ott.

Wir befinden uns generell in einer Umbauphase“, berichtete er. „Die Jahre 2009 und 2010 sind klar darauf ausgerichtet, eine solide Basis für eine nachhaltig wettbewerbsfähige und gesunde Clariant zu schaffen.“ 2011 wolle das Unternehmen wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. „Dann gehen wir davon aus, dass wir die Restrukturierungsmaßnahmen weitgehend definiert und abgeschlossen haben.“

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