Ökostrom braucht keine Speicher

Offenbach - Als ein zentrales Element bei der Energiewende in Deutschland werden bisher von Experten und Politikern stets die Speicher genannt. In ihnen soll Strom geparkt werden, der erzeugt wird, wenn der Wind stark weht und die Sonne scheint. Von Marc Kuhn

Später kann der Strom dann ins Netz eingespeist werden. Diese Ansichten kippt nun eine Studie des Verbands der Elektrotechnik (VDE), die den Speicherungsbedarf und Auswirkungen auf das Stromnetz für Szenarien bis 2050 untersucht. Der Umbau der Energieversorgung kommt in den nächsten Jahren ohne Stromspeicher aus, lautet die zentrale Aussage der Untersuchung. „Der Speicherbedarf in der Energiewende wird erst ab Anteilen erneuerbarer Energien von über 40 Prozent signifikant“, heißt es in der Studie, die unserer Zeitung vorliegt. Diese Marke wird nach den Plänen der Bundesregierung aber erst zwischen 2020 und 2025 erreicht.

Bis dahin würden Speicher vor allem mit günstigem Braunkohlestrom gefüllt, schrieb die „Financial Times Deutschland“ (FTD). Während diese klimaschädlichen Anlagen also profitieren, würden Speicher „vor allem Gaskraftwerke aus dem Markt drängen“, sagte Albert Moser von der RWTH Aachen. Das sei auch energiewirtschaftlich kontraproduktiv, weil die Energiewende gerade auf flexible und klimaschonende Gaskraftwerke angewiesen sei, erläuterte er weiter.

Der Speichereinsatz wirkt sich erst langfristig aus

Die durch den Ausbau der erneuerbaren Energien hervorgerufenen Schwankungen im Stromnetz könnten „kurz- und mittelfristig größtenteils von einem flexiblen thermischen Kraftwerkspark und flexiblen Biomassenanlagen abgefangen werden“, berichtete der VDE weiter. Auch auf den Ausbau der Netze habe der Einsatz von Speichern kaum Auswirkungen. Bei einem Szenario mit einem Anteil des Ökostroms von 40 Prozent diene „der Speichereinsatz vor allem der Optimierung und Verstetigung fossiler Stromerzeugung“. Auf die Gesamtemissionen der Stromerzeugung wirke sich der Speichereinsatz ebenfalls erst langfristig positiv aus.

Die Studie vergleicht auch die Kosten der unterschiedlichen Szenarien miteinander, wie die „FTD“ berichtete. Demnach sei es bis zur 40-Prozent-Marke am günstigsten, keine Speicher zu bauen. Stattdessen ließen sich Ökostromschwankungen am effektivsten mit den bestehenden Gaskraftwerken sowie einer geringen Abregelung von Wind- und Solaranlagen ausgleichen.

Auf Basis der Analysen kommt die VDE-Studie zu dem Schluss, dass der Stromnetzausbau und die Flexibilisierung des Kraftwerksparks sowie der regelbaren Anlagen für erneuerbare Energien wie Biomassekraftwerke vorangetrieben werden sollten. Langfristig würden Speicher allerdings ein wichtiger Bestandteil des Stromversorgungssystems, schrieben die Wissenschaftler und sehen Bedarf bei Forschung und Entwicklung. Ein Ökostromanteil von 80 Prozent sei ohne Speicher nicht zu schaffen, heißt es in der Untersuchung. In jedem Jahr würden Kosten in Höhe von 5,1 Milliarden Euro anfallen, wenn die Überschüsse komplett gespeichert werden.

Rubriklistenbild: © dpa

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