Verärgerung über Leiharbeit

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Aktionstag der IG Metall / DGB: Schlechte Bezahlung in Offenbach und Hanau / Unternehmer: Amokfahrt

Frankfurt/Offenbach (dpa/ku) - Mit Protestaktionen in 1.300 Betrieben hat die IG Metall gegen Leiharbeit und andere Formen unsicherer Beschäftigung demonstriert. Die Gewerkschafter verlangen gleiche Bezahlung von Stamm- und Leiharbeitern sowie weniger befristete Anstellungen.

Gewerkschaftschef Berthold Huber geißelte die Zunahme sogenannter Werks- und Dienstverträge als „neue Krankheit des Arbeitsmarktes“. Die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie wiesen die Vorwürfe zurück. Leiharbeit spiele in der Branche nur eine kleine Rolle.

Protestschwerpunkte waren unter anderem Werke der Autobauer VW, Daimler, Porsche und Opel. Den Auftakt machten am frühen Morgen mehrere hundert Stahlarbeiter, die sich zu AC/DC-Hardrock-Klängen bei ThyssenKrupp in Duisburg versammelten. Insgesamt haben an den Protesten rund 210 000 Beschäftigte teilgenommen, berichtete die größte Einzelgewerkschaft Deutschlands.

Man wehre sich im Aufschwung dagegen, die Arbeitswelt durch eine Flut von Leiharbeit und prekärer Beschäftigung für alle schlechter zu machen, sagte IG-Metall-Chef Huber in Braunschweig vor etwa 2 000 VW-Arbeitern. Die Unternehmen seien auf einem „Sabotagekurs“. Mit prekärer Beschäftigung könne man vielleicht für eine kurze Zeit den Kostenwettlauf gewinnen, werde aber dauerhaft im Innovationswettlauf verlieren.

Leiharbeiter deutlich schlechter bezahlt

Trotz Schnee und Kälte haben auch tausende Metaller in Hessen gegen Leiharbeit und andere Formen unsicherer Beschäftigung demonstriert. Unter dem Motto „Arbeit - sicher und fair“ forderten sie gleiche Löhne für Leiharbeiter und fest angestelltes Personal. Im gesamten IG-Metall-Bezirk Frankfurt mit Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland nahmen mehr als 20 000 Menschen in etwa 75 Betrieben an dem Aktionstag teil.

Leiharbeiter werden nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auch in den Regionen Offenbach und Hanau deutlich schlechter bezahlt als andere Beschäftigte. Erstmals habe der Gewerkschaftsbund eine Sonderauswertung der Statistik der Bundesagentur für Arbeit zu den Bruttoverdiensten für die Leiharbeitskräfte vorgelegt, erklärte der Vorsitzende des DGB-Südosthessen, Frank Herrmann. „Die finanzielle Lage ist noch weit schlechter als wir befürchtet haben“, sagte Herrmann weiter. „Auch bei uns können viele trotz Vollzeitarbeit von ihrem Gehalt als Leiharbeiter nicht leben. Sie müssen oftmals einem Zweit- oder Drittjob nachgehen oder sind auf Hartz IV angewiesen.

Leiharbeiter leisten die gleiche Arbeit wie andere Beschäftigte, bekommen aber deutlich weniger Geld und werden häufiger auch entlassen.“ Im Arbeitsamtsbezirk Offenbach hatten die Leiharbeitskräfte nach Angaben des DGB Ende 2009 im Schnitt 1 336 Euro brutto im Monat verdient. Das seien gut 1 540 Euro im Monat weniger als Vollzeitbeschäftigte in der Region insgesamt. Laut Gewerkschaftsbund hatten Leiharbeiter im Arbeitsamtsbezirk Hanau Ende 2009 durchschnittlich 1 456 Euro brutto im Monat verdient. Das seien 1 189 Euro im Monat weniger als Vollzeitbeschäftigte in der Region.

„Wichtiges und erfolgreiches Instrument“

„Leiharbeit ist - unabhängig vom Qualifikationsniveau - ein ausgeprägter Niedriglohnsektor, bei dem der Staat Lohndumping und nicht existenzsicherndes Arbeitseinkommen oftmals über Hartz IV oder andere Sozialleistungen wie Wohngeld subventionieren muss“, erklärte Herrmann. „In keiner anderen Branche ist das Armutsrisiko trotz Erwerbstätigkeit so groß wie in der Leiharbeit.“

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt verteidigte den Einsatz flexibler Zeitarbeiter. Dies sei ein äußerst wichtiges und erfolgreiches Instrument, um Langzeitarbeitslosen und Geringqualifizierten den Einstieg in Arbeit zu erleichtern. Die Vereinigung der hessischen Unternehmensverbände (VhU) kritisierte die IG-Metall-Proteste. Die Zeitarbeit habe sich zu einer „unverzichtbaren Schlüsselbranche“ entwickelt, sagte VhU-Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender. „Ich kann mich dem nur anschließen und zwar in vollem Umfang“, erklärte Hans-Joachim Jungbluth, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Offenbach-Hanau von Hessenmetall. Fasbender fügte hinzu: „Für viele gering Qualifizierte in der Zeitarbeit würde die wohlklingende Forderung nach gleichem Lohn nicht Arbeit, sondern Arbeitslosigkeit bedeuten.“ Die Gewerkschaften sollten deshalb ihre Amokfahrt gegen die Zeitarbeit sofort beenden.

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