Viele Ausbildungsplätze offen

Frankfurt (dpa/ku) ‐ Zum Beginn des Ausbildungsjahrs am 1. September bleiben in Hessen tausende Lehrstellen unbesetzt. Gleichzeitig gehen auch tausende Bewerber leer aus. Angebot und Nachfrage passen nicht zusammen.

Eine ähnliche Situation zeigt sich teils in Stadt und Kreis Offenbach. Im Agenturbezirk gibt es noch zahlreiche unbesetzte Lehrstellen. Friedrich Rixecker, bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach für Ausbildung zuständig, zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Der Ausbildungsmarkt hat an Schwung gewonnen“, sagte er unserer Mediengruppe.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) zählte Mitte Juli in Hessen noch 11.295 unversorgte Bewerber und 7.699 offene Stellen. Vor allem im Handel fehlen die Leute: Mehr als 1.000 Ausbildungsplätze waren für Einzelhandelskaufleute frei. Dazu kommen noch 342 Einzelwarenkaufleute für Fleisch und Backwaren.

Lücken in gastronomischen Berufen

„Im Moment werden noch sehr viele Verträge abgeschlossen“, berichtete Brigitte Scheuerle, die Ausbildungsexpertin der IHK Frankfurt. Bis zur letzten Minute sind vor allem die mittleren Betriebe noch dabei, ihre Lehrstellen zu besetzen, während die großen Ausbilder ihre Rekrutierung weitgehend abgeschlossen haben.

In den Jobbörsen der IHK wie auch der Handwerkskammer gibt es aber immer noch etliche offene Angebote. So werden allein bei der Handwerkskammer Rhein-Main noch mehr als 30 angehende Friseure, 23 Maler oder 15 Elektroniker für Gebäudetechnik gesucht. Die IHK verzeichnet Lücken in gastronomischen Berufen und im Einzelhandel, aber auch bei der Informationstechnologie und im Büro. „Die IT-Firmen haben über Jahre zu wenig ausgebildet und außerdem sehr hohe Ansprüche“, sagte Scheuerle.

Versorgungslage für Jugendliche in Offenbach gut

Kurzfristig gäbe es vor allem im Rhein-Main-Gebiet noch Ausbildungsmöglichkeiten, berichtete Angela Köth von der Regionaldirektion Hessen der BA. Waren Ende Juli noch 722 Jugendliche bei der Arbeitsagentur Offenbach, den Arbeitsgemeinschaften MainArbeit und ProArbeit im Kreis als Lehrstellen suchend gemeldet, so hat sich diese Zahl deutlich nach unten bewegt, teilte die Agentur mit.

Auch von den rund 300 Ausbildungsstellen, die bei Arbeitsagentur und Arbeitsgemeinschaften im Juli gemeldet waren, hätten viele besetzt werden können. „Dank der erfolgreichen Bemühungen von Berufsberatung und Arbeitgeberservice ist der derzeitige Stand wesentlich geringer“, so Beatrix Schnitzius, Chefin der Arbeitsagentur. Konkrete Zahlen können aus statistischen Gründen erst Ende August gemeldet werden.

Die Versorgungslage für Jugendliche in Offenbach sei gut, berichtete Rixecker von der IHK. Bei den Zahlen der Kammer wird im Gegensatz zu denen der Arbeitsagentur auch der Westkreis erfasst. Die Betriebe würden sich auf den Rückgang der Bewerberzahlen vorbereiten, erklärte Rixecker weiter. Bisher seien mehr als 1 150 Lehrverträge registriert worden, erläuterte der Fachmann. Das seien 8,8 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Enttäuscht, wenn‘s mit Wunschberuf nicht klappt

Allerdings seien noch mehr als 470 Ausbildungsplätze offen. „Die werden wir nicht besetzt kriegen, leider“, sagte der IHK-Experte. Sein Ziel ist, dass in diesem Jahr etwa 1.400 Lehrverträge mit Jugendlichen in Offenbach abgeschlossen werden. Bei den Handwerksbetrieben in der Region gibt es noch 100 bis 150 freie Ausbildungsplätze, erklärte Helmut Geyer, Geschäftsführer der Handwerkerschaft in Stadt und Kreis Offenbach.

Viele Jugendliche suchen nach einer Ausbildung in ihrem Wunschberuf und sind enttäuscht, wenn es nicht klappt. Oft gehen sie weiter zur Schule. „Eine weitere Alternative ist es, sich mit der Berufsberatung zu besprechen: über Berufsfelder, die dem Wunschberuf ähneln, über Berufe, die man noch nicht kennt sowie über Hilfen zum Berufseinstieg wie Einstiegsqualifizierung und berufsvorbereitende Maßnahmen“, sagte Schnitzius.

Rubriklistenbild: © dpa

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