Vorstoß für mehr Weiterbildung

Düsseldorf (ku) In Deutschland nehmen nur wenige Beschäftigte Angebote zur Weiterbildung wahr. Ein Umbau der Arbeitslosenversicherung könnte nach Ansicht einer Forscherin helfen, mögliche Qualifikationslücken zu schließen.

Lena Hipp von der Cornell Universität in New York beklagt eine unklare Finanzierung. „Zwar haben von besser qualifizierten Mitarbeitern alle etwas: Den Beschäftigten ermöglicht Fortbildung ein höheres Einkommen“, schrieb sie in einer Zeitschrift der Hans-Böckler-Stiftung. Unternehmen profitierten vom besseren Wissen ihrer Belegschaft. Und der Gesellschaft kämen die höhere Produktivität und die geringere Arbeitslosigkeit zugute.

Schwierig sei es jedoch, den Nutzen von Weiterbildung anteilig zuzuordnen - und damit deren Finanzierung. Zudem könnten Beschäftigte und Betriebe nur schwer beurteilen, welche Weiterbildungsangebote den größten Nutzen bringen. Darüber hinaus neigten Arbeitnehmer und Unternehmen dazu, die Notwendigkeit von Weiterbildung zu unterschätzen.

Damit mehr Weiterbildung stattfindet, schlägt Hipp den Umbau der Arbeitslosenversicherung zu einer Beschäftigungsversicherung vor. Wegen ihrer Finanzierung aus Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträgen sowie Steuermitteln eigne sie sich dazu, die Fortbildungskosten zwischen deren Nutznießern gerecht aufzuteilen.

Weiterbildungsgutscheine

2003 wurden laut Hipp im Zuge der Hartz-Reformen Gutscheine für die Weiterbildung von Arbeitslosen eingeführt - doch bislang nur wenig genutzt. Wie sich das ändern ließe, zeigen Erfahrungen europäischer Nachbarstaaten. „So richten sich die Weiterbildungsgutscheine in Flandern an alle abhängig Beschäftigten“, berichtete Hipp.

Die Gutscheine werden zum halben Preis ihres Einlösewerts verkauft; benachteiligten Gruppen werden ihre Aufwendungen ganz oder teilweise erstattet. „Substitutions- und Mitnahmeeffekte sollen dadurch verhindert werden, dass die Kursinhalte nicht ausschließlich für den derzeitigen Arbeitsplatz relevant sein und die Fortbildungszeiten außerhalb der Arbeitszeit liegen müssen.“

Insgesamt zeige sich: Gutscheine werden am besten genutzt, wenn sie in großer Zahl an Personen mit unterschiedlichem Bildungshintergrund gehen. So könne ein vielfältiges Angebot bereitgestellt werden.

Zudem macht sich Hipp für die Einführung von „Persönlichen Entwicklungskonten“ stark. Dieser Vorschlag stamme von Professor Günther Schmid vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Ein Teil der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung würde in ein individualisiertes Ansparprogramm umgewandelt und durch Steuermittel ergänzt, um kritische Übergänge während des Arbeitslebens abzusichern.

Die Mittel eines solchen Kontos könnten für die Kinderbetreuung oder als Startkapital für eine Existenzgründung verwendet werden - aber auch, um die Teilnahme an einem Abendkurs oder an einem Aufbaustudiengang zu finanzieren. Einzige Vorgabe: Das Guthaben muss für die Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit eingesetzt werden. Zusätzlich sollten Informationssysteme die betrieblichen, regionalen und individuellen Qualifikationserfordernisse erfassen und vorhersagen, erklärte Hipp.

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