Warnstreiks auch in der Region

Hanau/Offenbach/Berlin/Düsseldorf (dpa/ku) - Die Warnstreiks in der Metallindustrie haben die Region erreicht. Den Auftakt bildeten die Beschäftigten der Firma Norma in Maintal.

Die Beschäftigten der Firma Norma waren gestern zum Warnstreik aufgerufen, wie der erste Bevollmächtigte der IG Metall Hanau-Fulda, Robert Weißenbrunner, erklärte. Heute werde die Belegschaft der Vacuumschmelze in Hanau zum Warnstreik aufgerufen. In der Nacht zu heute sollten die Mitarbeiter des Autozulieferers GKN Driveline in Offenbach-Waldhof in den Ausstand treten.

In allen Landesteilen Hessens hat die IG Metall die Tarifrunde mit Warnstreiks verschärft. Ziel der Aktionen waren unter anderen Auto-Zulieferer wie Johnson Controls im mittelhessischen Dautphetal oder Hörmann Automotive in Ginsheim-Gustavsburg bei Mainz sowie das Mercedes-Benz-Achsenwerk in Kassel, wie die Gewerkschaft berichtete. Bei Continental Teves in Frankfurt-Rödelheim legten an die 500 Beschäftigte am Mittag die Arbeit nieder, um für höhere Löhne zu demonstrieren. „Die Leute sind trotz bester Ergebnisse mit ein paar hundert Euro zu Weihnachten abgespeist worden“, erklärte Gewerkschaftssekretär Michael Erhardt.

IG Metall verlangt in einem Paket 6,5 Prozent mehr Geld

Die IG Metall will ihre Warnstreiks auch heute in zahlreichen Betrieben überall im Land fortsetzen. Am 9. Mai wollen Arbeitgeber und Gewerkschaft in Zweibrücken ihre Tarifverhandlungen fortsetzen. Die IG Metall verlangt in einem Paket 6,5 Prozent mehr Geld sowie die unbefristete Übernahme aller Ausgebildeten und mehr Mitsprache der Betriebsräte beim Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitgeber bieten bislang drei Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 14 Monaten. IG-Metall-Chef Berthold Huber hatte bereits am Dienstag eine härtere Gangart angekündigt. Er drohte mit einem Streik, falls bis Pfingsten (27. Mai) kein Verhandlungsergebnis vorliege.

Tausende Mitarbeiter in mehreren Bundesländern legten gestern ihre Arbeit nieder. Neben Hessen waren unter anderem Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Niedersachsen von den Ausständen betroffen. Ein Schwerpunkt ist die Autobranche.

Bei Daimler traten rund 800 Arbeiter in den Ausstand

Im Düsseldorfer Transporterwerk des Autobauers Daimler traten rund 800 Arbeiter der Frühschicht für eine Stunde in den Ausstand. Nordrhein-Westfalens IG-Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard kündigte schärfere Proteste an, falls nicht rasch ein Angebot nach den Vorstellungen der Gewerkschaft vorgelegt wird. „Wenn sich die Arbeitgeber nicht endlich in Bewegung setzen, dann sind die heute beginnenden Warnstreiks nur der Anfang.“ In Lohmar bei Bonn brachen die Metaller zum Sternmarsch auf, heute sollen neue Warnstreiks an Rhein und Ruhr folgen - unter anderem bei Siemens, Deutz, MAN und Miele. Der Hausgerätehersteller war bereits gestern Ziel einer Warnstreik-Offensive in Niedersachsen. Etwa 200 Arbeiter versammelten sich vor dem Werk in Lehrte bei Hannover, anschließend zogen sie mit IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine durch die Stadt. Später kamen Beschäftigte des Mikrofon- und Kopfhörer-Spezialisten Sennheiser dazu. „2011 war ein hervorragendes wirtschaftliches Jahr“, rief Meine den Belegschaften zu. „Unsere Tarifforderung ist nicht nur berechtigt - die Unternehmen können sie auch bezahlen.“

Auch im wichtigen Tarifbezirk Baden-Württemberg erhöhte die IG Metall die Schlagzahl. Sie rief zu Warnstreiks in drei Dutzend Betrieben auf, unter anderem sollte die Arbeit an Standorten der beiden Branchenriesen Bosch und Daimler vorübergehend ruhen.

„Das Angebot der Arbeitgeber vom 19. April hat die Gräben vertieft, nicht geglättet“, sagte Baden-Württembergs IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann.

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