Warnung vor Wohnungsmangel

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Der Umsatz der Bauunternehmer in Hessen ist im vergangenen Jahr gesunken.

Frankfurt ‐ Hessische Bauunternehmer haben vor einem Wohnungsmangel gewarnt und bessere Fördermöglichkeiten des Landes angemahnt. Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland habe sich in der Zeit von Januar bis November 2009 mit 125.000 auf einem Tiefstand bewegt, sagte Rainer von Borstel. Von Marc Kuhn

In dem Zeitraum seien in Hessen gut 4.600 Wohnungsbaugenehmigungen erteilt worden, sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbands baugewerblicher Unternehmer Hessen. Trotz rückläufiger Bevölkerungszahlen sei in den nächsten Jahren in Deutschland mit einem Zuwachs an Haushalten zu rechnen. Dies führe zu einer Nachfrage nach Wohnungen.

Hans-Hartwig Loewenstein, Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, sprach von einem Bedarf von 200.000 bis 230.000 Wohneinheiten in Deutschland pro Jahr. Die Zahl der Baugenehmigungen reiche aber nicht aus, um den Bedarf zu decken, erklärte von Borstel. „Dies gilt insbesondere in Ballungsgebieten wie der Rhein-Main-Region.“

„Die Kriterien müssen aktualisiert werden.“

Kritik übte der Verband an den Förderprogrammen in Hessen. So unterstütze das Land zwar den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Eigentumswohnungen mit Darlehen zwischen 80.000 und 120.000 Euro, berichtete von Borstel. Allerdings würden die Einkommensgrenzen für die Förderung bei einem Drei-Personen-Haushalt bei etwa 50.000 Euro liegen. Diese sei zu niedrig. „Die Kriterien müssen aktualisiert werden.“ Loewenstein verlangte ebenfalls bessere Finanzierungsmöglichkeiten. Von Borstel ergänzte: „Auch für Mieter muss bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung gestellt werden.“

Im vergangenen Jahr hat das hessische Baugewerbe die Wirtschaftskrise gespürt. Die Umsätze seien als Folge der gesamtwirtschaftlichen Lage gesunken, erläuterte der Präsident des Verbands Baugewerblicher Unternehmer Hessen, Michael Kellermann. Der Umsatz im Baugewerbe sei im Zeitraum von Januar bis Oktober 2009 gegenüber dem Vorjahr um 7,1 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zurückgegangen, berichtete der Verband. Besonders dramatisch seien die Umsatzzahlen im Wohnungsbau, die um 12,2 Prozent rückläufig seien. Der gewerbliche und industrielle Bau habe einen Rückgang um 2,3 Prozent verzeichnet. Und der öffentliche Bau registrierte einen Umsatzrückgang von mehr als 7 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten sei 2009 auf gut 46.000 gesunken, berichtete der Verband weiter. Dies sei ein Rückgang um etwa 2,8 Prozent. Die Zahl der Betriebe ging um 6,7 Prozent auf 5.387 zurück.

Konjunkturprogramme zeigen ihre Wirkung

Für das laufende Jahr erwartet der Verband, dass der Umsatz in der Branche um rund 6 Prozent gegenüber 2009 sinken wird. Erstmals seit Jahren rechnet er mit einer leicht positiven Entwicklung beim Wohnungsbau. Im Wirtschaftsbau sei im Moment noch keine Besserung in Sicht. Im öffentlichen Bereich würden die Konjunkturprogramme ihre Wirkung entfalten. Daher sei mit einem Zuwachs zu rechnen, zumal auch durch die zusätzlichen Konjunkturprogramme des Landes Hessen „eine stimulierende Wirkung erreicht wird“. Dies gelte insbesondere für den Straßenbau. Der Zuwachs im öffentlichen Bereich werde jedoch nicht ausreichen, um den Rückgang im Wirtschaftsbau auszugleichen.

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