Fehler in der IBAN-Kontonummer

Zahlendreher kann Geld kosten

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Frankfurt/Offenbach - Die internationale Kontonummer IBAN soll Überweisungen in Europa einfacher und sicherer machen. Ist in den 22 Stellen ein Zahlendreher, kann das Geld auf einem anderen Konto landen. Und der Verbraucher hat Probleme, es zurückzuholen. Von Marc Kuhn 

Eigentlich ist beim IBAN-Verfahren ein Schutz gegen Fehlbuchungen eingebaut. Eine zweistellige Prüfziffer steht zwischen dem Länderkürzel und den Kontodaten, die in Deutschland aus der Bankleitzahl und der Kontonummer bestehen. Mit der Prüfzahl könne festgestellt werden, ob die IBAN stimmt, erklärt der deutsche Bankenverband. Ein Dreher führt zu einer anderen Prüfziffer. Eine Überweisung wird verhindert. Führen die fälschlich eingetippten Zahlen allerdings zu einem Konto, das tatsächlich existiert, ist das Geld weg. Geht die Gutschrift auf dem fremden Konto ein, kann der Kunde nichts mehr machen. „Leider sind unsere Möglichkeiten im Falle einer Fehlüberweisung extrem eingeschränkt“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Offenbach, Guido Braun, unserer Zeitung. „Hat das Geld erst einmal die Sparkasse verlassen, kann es nicht ohne Weiteres zurückgeholt werden.“

Der Name auf der Überweisung spiele keine Rolle mehr, erklärte Peter Lassek, Rechtsberater bei der Verbraucherzentrale Hessen, unserer Zeitung. Nach der sogenannten Zahlungsrichtlinie haben nicht mehr die Namens-, sondern die Nummernangaben auf einer Überweisung Vorrang. Für die Rückführung des Geldes ist der Kunde verantwortlich. Sie erfolge auf seine Kosten, Risiko und Eigeninitiative, so Lassek. Über die Bank könne der Kunde versuchen, an den Namen und die Adresse des falschen Zahlungsempfängers zu kommen. „Nur so kann der Verbraucher seinen Anspruch auch durchsetzen“, berichtet der Rechtsanwalt. Eine Rückbuchung ist nur mit Einverständnis des Empfänegrs möglich. Lassek rät deshalb, die eigene Bank anzuschreiben und sie zu bitten, den Rückforderungsbrief an den Kontoinhaber weiterzuleiten.

„Der Kunde kann uns zwar gesondert beauftragen, einen Überweisungsrückruf zu starten“, ergänzte Braun. „Allerdings darf kein Betrag zurückgebucht werden, der einmal auf dem Empfängerkonto gutgeschrieben wurde - selbst dann, wenn es sich um ein Versehen handelt. In diesem Fall ist die Zustimmung des Zahlungsempfängers erforderlich.“ Laut Gesetz gebe es aber keinen Anspruch auf Auskunft zu den Daten des Empfängers, sagte Lassek. Die Geldhäuser berufen sich auf das Bankgeheimnis. So erging es auch einer Postbank-Kundin, wie die FAZ berichtete. Nun versuche sie, das Geld über ihre Hausbank zurückzuholen. Die Postbank nimmt dafür 21 Euro. Die Sparkasse Langen-Seligenstadt verlange zehn Euro, sagte ein Sprecher. Bei Fehlbuchungen ins Ausland fallen bis zu 55 Euro an, so die FAZ. „Da es sich um einen besonderen Kundenauftrag handelt, der durch den eigentlichen Girovertrag nicht abgedeckt ist, wird ein gesonderter Preis berechnet“, erläuterte auch Braun. „Diesen stellen wir allerdings nur im Erfolgsfall in Rechnung.“

Kunden, die schnell reagieren, haben bessere Karten. Verbraucher, die Online-Banking nutzten, sollten sich bei der Hausbank melden, sobald sie den Fehler bemerkt haben, sagte Lassek. Dort liege das Geld etwa 24 Stunden im System. „Die Bank kann die Überweisung also noch stoppen.“

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