Airlines will kostenlos helfen

Niki insolvent: 760.000 Tickets verfallen - das können Kunden tun

Über Nacht stellt die insolvente Niki den Flugbetrieb ein - und bringt Kunden im In- und Ausland in Nöte. Nun springen andere Linien ein, um Zehntausende Passagiere zurückzuholen.

Berlin/Wien - Das Ende kam plötzlich: Mittwochabend gab es für den Ferienflieger Niki die Insolvenz - und das „Grounding“. Alle Flugzeuge bleiben auf dem Boden. Das hat für die Reisenden Konsequenzen. Und zwar für sehr viele Reisende. 

Nach Informationen von bild.de können nun 760.000 Reisen nicht wie geplant über die Bühne gehen. Laut  Insolvenzverwalter Lucas Flöther gehe es um 350.000 Tickets, die direkt bei Niki gebucht wurden. Diese seien nun komplett wertlos. Weitere 410.000 Flugreisen mit Niki wurden über Reisebüros gebucht. Immerhin diese sollen umgebucht oder erstattet werden.

Condor will gratis Rückflüge anbieten - andere deutsche Airlines „Sonderkonditionen“ anbieten

Besonders hart trifft es Reisende, die gerade am Donnerstag in Urlaub fliegen wollten. Oder aber, noch schlimmer, aktuell auf einen Rückflug mit Niki angewiesen sind. Flöther zufolge wollten in den kommenden 14 Tagen 40.000 Menschen mit der insolventen Fluggesellschaft nach Hause reisen. Davon hatten rund 15 500 ihre Reise selbst gebucht.

Immerhin: Mehrere Airlines haben schon angekündigt, beim Rücktransport von gestrandeten Passagieren aus dem Ausland zu helfen. Der Ferienflieger Tuifly plant Sonderflüge zur Rückholung gestrandeter Niki-Kunden. Der Mutterkonzern Tui habe sich zudem weitere Flugkapazitäten am Markt gesichert, teilte Tui Deutschland am Donnerstag mit. Insgesamt seien bis Ende des Jahres rund 5000 Tui-Kunden aus Deutschland von der Niki-Pleite betroffen. Keiner von ihnen müsse sich Sorgen machen, dass er nicht in Urlaub fliegen könne oder am Reiseziel festsitze, sagte Tui-Touristikchef Stefan Baumert.

Zuvor hatte schon der Ferienflieger Condor angekündigt, Passagiere, die direkt bei Niki gebucht haben, nach eigenen Angaben kostenfrei nach Deutschland zurückzufliegen soweit Sitzplätze verfügbar sind. Condor kündigte den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten an. Die Reisenden sollten sich direkt an die Check-in Schalter am dem jeweiligen Flughafen wenden. Nach Angaben des Insolvenzverwalters Nicolas Flöther wollten in den kommenden 14 Tagen rund 40 000 Flugreisende mit Niki ihre Heimreise antreten.

Der Reiseunternehmer Thomas Cook teilte mit, die eigenen Kunden mit Abflug am Donnerstag bereits auf andere Flüge umgebucht und entsprechend informiert zu haben.

Wie Condor will auch Tui Urlaubern helfen, die keine Pauschalreise, sondern nur ein Niki-Flugticket gebucht haben und nun am Reiseziel festsitzen. Wenn sie als Ersatz für den ausgefallenen Rückflug einen Flug bei Tuifly buchten, zahle ihnen die Airline 50 Prozent des Ticketpreises zurück, hieß es. Dafür verlangt Tuifly nur die Buchungsbestätigung für den Niki-Flug. Dies gelte für alle Rückflüge bis Ende Dezember.

Kunden sitzen fest - und sind „fassungslos“

Auch im Inland saßen Fluggäste fest. Mehrere Dutzend Niki-Kunden waren am frühen Donnerstagmorgen zum Berliner Flughafen Tegel gekommen, obwohl die Airline den Flugbetrieb am Vorabend eingestellt hatte. Vor den Filialen der Reisebüros bildeten sich Schlangen. „Wir haben von nichts gewusst“, sagte ein wütender Familienvater, der mit seiner Frau und Tochter in der Nacht aus Polen angereist war.

„Ich bin fassungslos“, sagte eine weitere Kundin, der gerade am Schalter mitgeteilt wurde, dass sie erst am nächsten Morgen würde fliegen können. „Ich rief gestern noch am Flughafen an“, sagte sie. „Da sagte man mir noch, alles läuft planmäßig.“

Pauschalreisenden war von ihren Reisebüros geraten worden, trotz Insolvenz zum Flughafen zu fahren, um Entschädigungsansprüche geltend zu machen. „Sie haben mir gesagt, wir sollen trotzdem zum Flughafen kommen“, sagte der Kunde Wolfgang Sonne aus Rathenow, der mit seiner Frau ebenfalls in Tegel wartete. „Ich habe keine Ahnung, wie es jetzt weitergeht.“

Priorität hat die Heimreise

Auch an weiteren deutschen Flughäfen fielen Niki-Flüge aus. Am Flughafen in Stuttgart warteten die Kunden am Donnerstagmorgen vergeblich auf zwei Verbindungen nach Wien sowie Marsa Alam in Ägypten. Außerdem wurde auch die vorgesehene Landung eines Fliegers aus Marsa Alam abgesagt. Durchschnittlich 20 Flüge der insolventen Air-Berlin-Tochter gingen pro Woche über Stuttgart.

Am Flughafen Hamburg fielen ebenfalls zwei Flüge aus. Die Abflüge nach Fuerteventura und Mallorca waren den Angaben des Flughafens zufolge für den Vor- sowie den Nachmittag vorgesehen.

Nach dem Aus der Ferienfluglinie richten sich die Bemühungen darauf, die Fluggäste der Airline nach Hause zu bringen.

Niki hatte am Mittwochabend Insolvenz angemeldet, nachdem die Lufthansa ihr Angebot für die Tochter der ebenfalls insolventen Air Berlin zurückgezogen hatte. Vorbehalte der EU-Kommission gegen den Deal wögen zu schwer. Von der Niki-Pleite sind etwa 1000 Mitarbeiter betroffen.

dpa/Video: Glomex

Rubriklistenbild: © dpa

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