Bahn-Chef Grube greift durch: Wiesheu und Bensel gehen

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Als Konsequenz aus der Datenaffäre bei der Deutschen Bahn sollen die beiden Vorstandsmitglieder Norbert Bensel (l.) und Otto Wiesheu das Unternehmen verlassen.

Berlin - Als Konsequenz aus der Datenaffäre bei der Deutschen Bahn sollen nach dem langjährigen Konzernchef Hartmut Mehdorn auch die Topmanager Otto Wiesheu und Norbert Bensel gehen.

Wie am Mittwoch vor einer Aufsichtsratssitzung aus Bahnkreisen verlautete, wird der neue Bahnchef Rüdiger Grube zudem ein neues Vorstandsressort schaffen. Darin sollen die Konzernrevision, die Konzernsicherheit sowie die Compliance-Abteilung gebündelt werden, die unter anderem für die Korruptionsbekämpfung zuständig ist. Diese Abteilungen standen im Zentrum der Affäre um den massenhaften Abgleich von der Daten von bis zu 170 000 Bahn-Mitarbeitern.

Auch der Leiter der Konzernrevision, Josef Bähr, Sicherheitschef Jens Puls und der für die Korruptionsbekämpfung zuständige Compliance-Beauftragte Wolfgang Schaupensteiner werden nach diesen Informationen von ihren Aufgaben entbunden. Der Begriff Compliance steht für die Einhaltung von Gesetzen und Unternehmensrichtlinien.

Dem Aufsichtsrat lagen am Mittwoch die Abschlussberichte der Sonderermittler in der Affäre vor - erstellt von der Prüfgesellschaft KPMG sowie den Ex-Bundesministern Gerhart Baum und Herta Däubler- Gmelin. Der Vorsitzende der Gewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, sagte vor dem Treffen, das Gremium werde über strukturelle und personelle Maßnahmen reden: “Ich erwarte, dass Herr Grube nicht nur in der unteren, sondern auch der oberen Ebene durchgreift.“

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Transnet, Vize-Aufsichtsratschef Alexander Kirchner, sagte, nach dem Rücktritt Mehdorns dürften wohl weitere Vorstandsmitglieder zumindest eine politische Verantwortung zu übernehmen haben. “Wir brauchen einen sauberen Start für das gesamte Unternehmen“, fügte er hinzu.

Bensel (61) ist bei der Bahntochter DB Mobility Logistics Vorstand für Transport und Logistik zuständig. Von 2002 bis 2005 war er Personalvorstand des Konzerns. In diese Zeit fiel ein Teil der umstrittenen Aktionen, bei denen Mitarbeiterdaten mit Daten von Lieferanten abgeglichen wurden. Der frühere bayerische Verkehrsminister Wiesheu (64) leitet seit 2006 das Vorstandsressort Wirtschaft und Politik. Ihm ist auch die Konzernsicherheit zugeordnet.

Grube und Aufsichtsratschef Werner Müller wollten noch am Mittwoch über die Ergebnisse der Ermittler-Untersuchung und die Konsequenzen informieren. Grube hat angekündigt, die Datenaffäre bis zum 1. Juni vollständig aufzuklären. Ein Abgang steht bereits fest: Bei der DB Mobility Logistics scheidet Personalvorstand Margret Suckale (52) aus und wechselt zum Chemiekonzern BASF.

Über die Neubesetzung der vakanten Vorstandsposten wird nach den Informationen aus Bahnkreisen möglicherweise erst am 25. Mai in einer weiteren Sitzung des Aufsichtsrates entscheiden.

In der Affäre geht es um Massenüberprüfungen der Daten von bis zu 170 000 Mitarbeitern und das Ausspähen von E-Mails. Nach immer neuen Vorwürfen hatte Mehdorn Ende März seinen Rücktritt erklärt. Er hatte mehrmals versichert, der Vorstand habe zu keiner Zeit Datenabgleiche, Untersuchungen von E-Mails, Aufträge an Detekteien oder Verstöße gegen geltendes Recht veranlasst und auch nicht davon gewusst.

dpa

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