Zukunftsbranche vor hohen Hürden

Thomas Becks

Frankfurt - „Es gibt nicht mehr viele High-Tech-Branchen, in denen Deutschland führend ist“, sagt Thomas Becks. Die Medizintechnik gehöre aber dazu, erklärte der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE in Frankfurt unserer Zeitung.

Neben Energietechnologien sei sie der Innovationsmotor für die deutsche Wirtschaft, fügte Melanie Mora, Sprecherin des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE), hinzu. Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik diskutieren im Juni in Jena beim Zukunftskongress Medizintechnik über den Stand der Forschung.

Im vergangenen Jahr hätten deutsche Unternehmen der Medizintechnik-Branche einen Umsatz in Höhe von 18,7 Milliarden Euro erwirtschaftet, berichtete Becks. Das Marktvolumen sei 2006, neuere Zahlen liegen nicht vor, hierzulande auf 21 Milliarden Euro, in der EU auf 60 Milliarden Euro und in den USA auf 85 Milliarden Euro geschätzt worden.

„Ein großer Zukunftsmarkt“, sagte Becks. Schließlich werde die deutsche Bevölkerung immer älter. Sie lebe allerdings nicht gesünder, so dass es immer mehr chronische Erkrankungen gebe.

Ob es zu Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Medizintechnik komme, sei in Deutschland noch nicht erkennbar, erläuterte Becks. In den Vereinigten Staaten sehe das anders aus. Dort würden 50 Prozent der Investitionen von Krankenkassen und die übrigen 50 Prozent privat finanziert. Diese Märkte seien schwierig. Becks erklärte weiter: „Auch die Medizintechnik spürt die Rezession.“

Mit ihrer Hilfe könnte das deutsche Gesundheitssystem jährlich um Milliarden entlastet werden, berichtete der VDE. Es werde effizienter, Kosten würden eingespart, erklärte Becks. Das System werde indes „nicht günstiger“. Schließlich eröffne die Medizintechnik auch neue zusätzliche Möglichkeiten zur Behandlung von Krankheiten.

Die Hürden für neue Verfahren seien in Deutschland indes hoch, klagte Becks. Da die Finanzierung innovativer Medizintechnik im deutschen Gesundheitssystem schwierig sein kann, gehen Unternehmen mit ihren Produkten oft zuerst ins Ausland. Deutsche Ärzte können dann erst bei der zweiten oder dritten Gerätegeneration die Anlagen nutzen.

Eine Erfolgsgeschichte der Branche sei zum Beispiel die Telemedizin. Sie ermögliche es, Röntgenbilder zwischen den Ärzten auszutauschen. Bei der Telepathologie würden mit Hilfe modernster Technik Bilder von Gewebeproben von einem Experten zum nächsten gesendet. Noch nicht so verbreitet sei das Telemonitoring, berichtete Becks. Dabei würden chronisch Kranke mit Herz- oder Blutdruckproblemen, Diabetes und Lungenerkrankungen mit Hilfe technischer Möglichkeiten überwacht. Verändere sich der Gesundheitszustand, könnte der Patient zum Arzt bestellt werden. Im Notfall werde automatisch die Rettungskette aktiviert.

Medizintechnische Unternehmen würden zudem an sogenannten molekularen Verfahren arbeiten, so Becks. Mit ihnen könnten Funktionen von Zellen abgebildet werden. Krebs lasse sich beispielsweise besser erkennen. Dieses Verfahren sei aber noch in der Entwicklung. Darüber hinaus versuche die Medizintechnik, Implantate „biokompatibel“ zu machen. Gewebe solle in sie einwachsen, sagte Becks. Ein weiterer Forschungsbereich sei die Invitro-Diagnostik. „Dabei geht es um die Verlagerung von Analysen vom Labor zum Patientenbett.“ So würden zum Beispiel Geräte zur Urin- und Blutuntersuchung entwickelt.

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