Mit Zuversicht in das Jahr 2010

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Volker Fasbender

Frankfurt/Offenbach ‐ Nach einem beispiellosen Einbruch in diesem Jahr wird sich die Wirtschaft in Hessen 2010 etwas stärker erholen als im Bundesgebiet. Von Marc Kuhn

„Wir hoffen sehr, und dafür gibt es gute Anzeichen, dass die derzeitige Erholung weiterläuft“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), Volker Fasbender, unserer Zeitung in Frankfurt. Vorteilhaft sei, dass die Entwicklung am Arbeitsmarkt nicht so negativ sei, wie noch vor einem Jahr erwartet worden sei. Und: „Das Konsumklima in Deutschland ist ja nie wirklich eingebrochen.“ Fasbender erklärte weiter: „Wir haben eine gute Chance, mit Optimismus in das Jahr 2010 gehen zu können.“ Der Aufschwung in Hessen werde geringfügig stärker sein als im Bundesdurchschnitt. Die Prognosen seien unterschiedlich. Wenn die Wirtschaft in Deutschland um 1,2 Prozent wachse, lege sie in Hessen um 1,5 Prozent zu. Falle der Anstieg in Deutschland stärker aus, „dann erwarte ich auch in Hessen ein Schnäpschen mehr“, sagte Fasbender. Das könnten bis zu zwei Prozent sein.

Positive Stimmen haben sich fast verdoppelt

Allerdings: „Der Maschinenbau tut sich in Hessen schwer“, erläuterte der VhU-Hauptgeschäftsführer. In der Fahrzeugindustrie halte die Belebung 2010 an. „Die spannende Frage ist natürlich, wie geht es bei Opel weiter. Ich bin zuversichtlich, dass der Standort Rüsselsheim sich gut halten wird.“ Fasbender zeigte sich auch optimistisch für die Zuliefererindustrie in Hessen. Und: Die Chemiebranche habe schon gemeldet, dass sie über den Berg sei.

Bernhard Mohr

Auch in Stadt und Kreis Offenbach wächst die Hoffnung, dass die Wirtschaft wieder Fuß fasst. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach, Bernhard Mohr, berichtete über die Konjunkturumfrage aus seinem Haus: „Während die aktuelle Situation immer noch von einem Drittel der Befragten als schlecht eingeschätzt wird, hat sich die Anzahl der Pessimisten für die weitere Entwicklung mehr als halbiert.“ Die positiven Stimmen hätten sich fast verdoppelt. Der Konjunkturklimaindex der IHK sei um 18 auf 96 von 200 möglichen Punkten gestiegen. Damit habe er das Niveau vom September 2008 erreicht.

Etwa 57.000 offene Stellen

„Der hessische Arbeitsmarkt wird 2010 gleichwohl etwas unter Druck stehen“, sagte Fasbender voraus. Der Personalabbau werde weiter gehen. Auch in Stadt und Kreis Offenbach wird die Zahl der Beschäftigten abnehmen, wie die IHK-Umfrage ergab. Allerdings habe sich das Tempo des Abbaus verlangsamt.

Gleichzeitig gebe es in Hessen zurzeit aber etwa 57.000 offene Stellen, erklärte Fasbender. „Das sind zum Beispiel Facharbeiter, das sind Ingenieure, das sind Arbeitsplätze im Pflegebereich.

Helmut Geyer

Ein konjunkturell schwieriges Jahr erwarten die Handwerker in Stadt und Kreis Offenbach. Auch 2010 würden die Umsätze um etwa ein Prozent zurückgehen, sagte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Helmut Geyer. Er geht aber davon aus, dass die Betriebe ihre Beschäftigten halten werden. Bei Unternehmen, die für den Bedarf der Industrie arbeiten, gebe es „erste Lichtblicke, aber noch keinen Durchbruch“. Mit Problemen und Umsatzverlusten rechnet Geyer im Kfz-Gewerbe. Für den Tief- und Straßenbau sagt er eine Erholung voraus.

VhU-Hauptgeschäftsführer Fasbender erklärte, 2009 habe die hessische Wirtschaft einen Einbruch erlebt, „der größer war als jemals zuvor in der Nachkriegszeit“. Er war aber nicht ganz so groß wie im Bund. Das liege daran, dass es in Hessen weniger Industriebetriebe gebe als im Durchschnitt des Bundesgebiets. In Deutschland sei das Bruttoinlandsprodukt um etwa fünf Prozent gesunken, in Hessen um rund vier Prozent. Die Unternehmen haben sehr stark Kurzarbeit in Anspruch genommen, wie Fasbender erklärte. „Wir haben deshalb Beschäftigte halten können.“ Ende September hätten etwa 69.000 Menschen in Hessen kurz gearbeitet.

870 Beschäftigte von Kurzarbeit betroffen

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Offenbach hatten bis September 267 Betriebe das Instrument der Kurzarbeit genutzt. Fast die Hälfte davon sind Betriebe des verarbeitenden Gewerbes, wie die Agentur weiter erklärte. Mehr als 5.500 Beschäftigte seien betroffen gewesen: Etwa 4.400 Männer und 1.100 Frauen. Im Oktober und November hätten - Schätzungen zufolge - weitere 45 Betriebe mit 870 Beschäftigten Kurzarbeit angemeldet.

Mit dem Konjunkturpaket II habe der Gesetzgeber die Möglichkeit geschaffen, die Zeit der Kurzarbeit zur Qualifikation der Mitarbeiter zu nutzen. Unternehmen sollten damit ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern - und die Beschäftigten ihre Arbeitsmarktchancen verbessern. Zurzeit nutzten etwa 30 Betriebe für etwa 470 Beschäftigte Qualifizierungsmaßnahmen. Weitere sieben Firmen befänden sich in der Planungsphase. Mehr als 100 Arbeitnehmer sollten an Qualifizierungen teilnehmen, teilte die Arbeitsagentur mit.

Die Kosten für Weiterbildung würden je nach Fall zu 25 bis 100 Prozent durch die Agentur erstattet. Zusätzlich zum Kurzarbeitergeld übernehme sie während einer Qualifizierungsmaßnahme die Sozialversicherungsbeiträge zu 100 Prozent, sonst seien es 50 Prozent in den ersten sechs Monaten.

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