Zweifel an Diskriminierung

Köln - In der Öffentlichkeit herrscht oft der Eindruck, Frauen sei wegen ihres Geschlechts der Weg in Führungspositionen und in höhere Gehaltsgruppen versperrt. Doch das stimmt nicht, schrieb das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Der Bruttoverdienst von Frauen lag laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2011 durchschnittlich 22 Prozent unter dem von Männern. „Diese Zahl sagt indes nichts über die Ursachen der Entgeltlücke aus“, erklärten die Forscher. Sie lasse sich nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung meist auf Faktoren wie Alter, Berufserfahrung und Bildung zurückführen. „In der Bundesrepublik Deutschland erklären allein familienbedingte Erwerbspausen und Teilzeitarbeit schon 56 Prozent des Lohnunterschieds“, berichtete das IW. Lediglich ein Fünftel der Lohnlücke könne nicht durch „berufsbiografische oder persönliche Merkmale erklärt werden“.

Kaum Frauen in technischen Berufen

Was sind aber die Gründe für die Lohnlücke und den niedrigen Frauenanteil in Führungspositionen? „Insbesondere in der Industrie werden Führungspositionen fast immer mit Menschen besetzt, die eine technische, naturwissenschaftliche oder mathematische Expertise vorweisen können“, erläuterten die Forscher. Doch trotz aller Bemühungen, junge Frauen für technische Berufe zu begeistern, stellten Frauen lediglich zwölf Prozent aller neuen Auszubildenden in einem solchen Beruf. Auch der Anteil weiblicher Studienanfänger in den MINT-Wissenschaften - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - verharre seit langem bei rund 30 Prozent.

Zudem: Längere Elternauszeiten oder ein Teilzeitjob würden es Frauen schwerer oder sogar unmöglich machen, „im Aufstiegswettbewerb die eigenen Kompetenzen und die eigene Leistungsbereitschaft unter Beweis zu stellen - und spielen deshalb den meist männlichen Mitbewerbern in die Hände“, so die Forscher. So zeige das sogenannte IW-Personalpanel, dass in fast 80 Prozent der Unternehmen die Führungskräfte ausschließlich Vollzeit arbeiten.

ku

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